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Mord im Orient Express
23.10.2008 16:09 (1797 x gelesen)

Mord im Orient Express (Murder on the Orient Express) ist ein Spielfilm von Sidney Lumet aus dem Jahre 1974 nach dem gleichnamigen Roman von Agatha Christie.

 



Der belgische Detektiv Hercule Poirot möchte noch ein paar Tage das winterliche Istanbul durchstreifen, doch ein Auftraggeber will ihn so schnell wie irgend möglich in London haben. Als er ein Abteil im Kurswagen Istanbul-Calais des nächsten Orient-Expresses buchen will, stellt sich heraus, dass der Zug ausgebucht ist. Mit Hilfe seines Freundes Monsieur Bianchi, dem Direktor der Eisenbahngesellschaft, bekommt Poirot doch noch einen Platz im Schlafwagen. Mitten in der Nacht zwischen Vinkovci und Brod in Jugoslawien wird der Amerikaner Samuel Edward Ratchett durch zwölf Messerstiche ermordet und am Morgen tot aufgefunden.

Der Expresszug ist mittlerweile auf freier Strecke auf jugoslawischem Gebiet im Schnee stecken geblieben. Keiner kann den Zug verlassen, auch der Mörder nicht. Der Telegraf streikt und die jugoslawische Polizei kann nicht benachrichtigt werden. Daher bittet Monsieur Bianchi, der sich ebenfalls im Zug befindet, Hercule Poirot um die Aufklärung des Falles. Im Abteil des Toten findet Poirot einen fast verbrannten Brief, aus dem er auf die wahre Identität des Toten schließen kann. Es handelt sich um den Verbrecher Casetti, der die kleine Daisy Armstrong entführt hatte und Schuld an ihrer Ermordung ist, sich aber der gerechten Strafe in den USA entziehen konnte. Casetti wurde mit zwölf Stichen getötet und das Sonderbare daran ist: jeder Stich ist verschieden tief und verschieden kraftvoll ausgeführt worden. Am Tatort werden außerdem ein Taschentuch und ein Pfeifenreiniger gefunden. Des weiteren wird in einem der Koffer der Mitreisenden die Uniform eines Schlafwagenschaffners gefunden.

Alle Menschen im Zug werden verhört, aber es befindet sich niemand an Bord, der zugibt, den gefundenen Pfeifenreiniger und das Taschentuch zu besitzen.

Poirot hat den Verdacht, dass alle Zuginsassen unter einer Decke stecken.

Die Lösung
Nach und nach erfährt Poirot von den Reisenden, dass sie entweder im Hause Armstrong angestellt gewesen sind oder nahe Verwandte oder Freunde der Familie waren. Allen war die kleine Daisy ans Herz gewachsen und nach der Entführung schworen sie sich, den Täter zur Verantwortung zu ziehen. Sie sind nacheinander durch das Abteil von Mr. Ratchett gegangen und jeder hat einmal auf ihn eingestochen.

Poirot stellt den Leiter der Eisenbahngesellschaft vor die Wahl, welche Theorie er der jugoslawischen Polizei für diesen Fall präsentieren möchte. Entweder die oben beschriebene, die sich auch in der Realität abgespielt hat, oder die Geschichte von einem in den Zug eingedrungenen und als Schaffner verkleideten Unbekannten, der Ratchett ermordet haben soll.

Bianchi entschließt sich dazu, der jugoslawischen Polizei die einfachere Lösung mit dem ominösen Fremden zu präsentieren.

 

Hintergrund

Bemerkenswert ist die ausnahmslos hochkarätige Starbesetzung. Albert Finney als Hercule Poirot bemüht sich – etwa im Unterschied zu Peter Ustinov, der den Poirot in anderen Filmen verkörpert hat – um eine sehr authentische, an die literarische Vorlage angepasste Darstellung, die die Figur nicht ironisiert, sondern ernst nimmt. Finney zeigt einen eitlen, auf sein äußeres Erscheinungsbild bedachten Menschen mit pomadisiertem, dunklem Haar, sorgfältig getrimmtem Schnurrbart und leicht übertriebenen, quasi südländischen Verhaltensweisen.

Sidney Lumet belässt es nicht dabei, den Kriminalroman zu illustrieren. Er rekonstruiert die Zeit, in der der Film angesiedelt ist und liefert einen sehr atmosphärischen Film, wobei er präzise die Charaktere zeichnet. Vor allem jedoch interessiert sich Lumet dafür, inwieweit die Vergangenheit auf der Gegenwart lastet. Lumet schildert Traumata, die nur durch einen Mord getilgt werden können, erzählt von der Unfähigkeit, vergeben oder vergessen zu können. In einer schneebedeckten Umgebung situiert Lumet eine kleine, abgeschlossene Welt, die jedoch nicht idyllisch ist, sondern gezeichnet von Schuld und Selbstvorwürfen. Wenn am Ende die bequemere, aber zugleich unwahrscheinlichere Lösung für den Mordfall gewählt wird, entspricht dies der Unmöglichkeit, angesichts des Vorgefallenen eine adäquate juristische Entsprechung für die Taten zu finden. So weitet Lumet den Kriminalfilm zum Psychothriller.

 

Filmdaten
Deutscher Titel: Mord im Orient Express
Originaltitel: Murder on the Orient Express
Produktionsland: UK
Erscheinungsjahr: 1974
Länge: 128 Minuten
Originalsprache: englisch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: Sidney Lumet
Drehbuch: Paul Dehn
Produktion: John Brabourne, Richard B. Goodwin
Musik: Richard Rodney Bennett
Kamera: Geoffrey Unsworth
Schnitt: Anne V. Coates
Besetzung
  • Albert Finney: Hercule Poirot
  • Lauren Bacall: Mrs. Hubbard
  • Martin Balsam: Signor Bianchi
  • Ingrid Bergman: Greta Ohlsson
  • Jacqueline Bisset: Gräfin Andrenyi
  • Jean-Pierre Cassel: Pierre Paul Michel
  • Sean Connery: Colonel Arbuthnot
  • John Gielgud: Mr. Beddoes
  • Wendy Hiller: Prinzessin Dragomiroff
  • Anthony Perkins: Hector MacQueen
  • Vanessa Redgrave: Mary Debenham
  • Rachel Roberts: Hildegarde
  • Richard Widmark: Mr. Ratchett
  • Michael York: Graf Andrenyi
  • Colin Blakely: Mr. Hardman
  • George Coulouris: Dr. Constantine
  • Denis Quilley: Antonio Foscarelli

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Mord im Orient Express aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. Der Artikel kann hier bearbeitet werden.


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